Reisegeschichten
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Besuch der Gobi
Ich versuchte mein Glück nochmals und fuhr Ende Dezember in die Gobi.
Sanddünen im Schnee! Ich hatte die Sahara gesehen und in Tunesien eine
grüne, blühende Wüste, da es geregnet hatte. Fehlte nur noch eine
Wüste im Schnee. Die Hinfahrt mit dem Bus war ganz okay, da ich in der Nacht
mit einem kleinen Mädchen einen Del (mongolischer Mantel ) teilen konnte. Im
Bus funktionierte die Heizung nicht und es hatte -30° Celsius. Als ich etwas hilflos
am Busbahnhof in Dalanzadgad herumstand, half mir ein Mongole, die beiden Hotels zu
finden. Bingo, denn beide hatten zu. Der Mongole sagte, dass ich warten soll und kam
nach einigen Minuten mit der Besitzerin zurück. Das Hotel wurde für mich
aufgeschlossen. Gut, ein Zimmer hatte ich nun. Toilette auf dem Gang mit eingefrorener
Spülung, keine Heizung, aber dafür ein großes Loch im Fenster. Was will
man mehr für 2 US$? Ich machte mich auf und fand den Markt, der um diese Jahreszeit
wenig Essbares zu bieten hatte außer Instantnudeln aus China, Schokolade und Kekse.
Es wurde liebevoller weise im Hotelrestaurant für mich gekocht. Als ich am nächsten
Tag auf der Bank war und fragte, ob ich einen Jeep mieten könnte, sagte man mir, dass
Jeeps nur im Sommer vermittelt werden. Kurz darauf wurde ich von einer Frau angesprochen, die
mir in gebrochenem Englisch Hilfe anbot. Ich nahm an, da ich nach Yolin Nam fahren und auch die
Sanddünen sehen wollte. Sie sagte, dass ich am nächsten Morgen im Hotel sein sollte,
da sie mir ein Auto besorgen würde.
Sie tauchte tatsächlich mit einem Jeep auf. Der Fahrer war ein Offizier, der gar nicht so
schlecht zum Ministerium fuhr, um eine Genehmigung zu holen, um in den Naturpark hineinfahren
zu dürfen. Wunderbar, morgen geht's los. Wir fuhren eine ganze Weile durch die Gegend,
als ich fotografieren wollte, sagte ich es seinem Sohn, der als Übersetzer dabei war.
Ich erlebte eine Pleite, da er nur Yes und No verstand und ich kein Mongolisch konnte. Also
nichts mit Fotos. Am Yolin Nam Canyon angekommen, führte er mich in das Tal. Es war wirklich
bezaubernd mit dem azurblauen Himmel und den vielen Vögeln.
Leider zog innerhalb kürzester Zeit ein Blizzard auf und wir waren gezwungen, zum Auto zurückzukehren.
Dort angekommen, fuhren wir gleich los, um in der Ger des Parkwächters Schutz zu suchen.
Leider verfehlte der Offizier die Strasse und wir landeten im Graben. Wir konnten auch mit
vereinten Kräften das Auto nicht frei schaufeln. Also führte mich sein Sohn zu Fuß
zu der 3 km entfernten Ger. Wir brauchten ca. 6 Stunden, um in dem starken Wind die Strecke
zurückzulegen. Auf dem Weg fand ich etwas schwarzes, was aussah wie ein selten geformter Stein
und nahm es mit. In der Ger des Rangers zeigte ich meinen Fund und war über die Reaktion sehr
erstaunt. Als er mir aber in gebrochenem Deutsch erklärte, dass es gefrorener Kot eines Schneeleoparden
war und wir glücklich sein konnten, dass wir dem Tier nicht begegneten, wurde es mir doch etwas
mulmig. Leider zerbrach durch den Sturm am Abend eine Fensterscheibe der Ger und es konnte kein Ersatz
dafür aufgetrieben werden. Trotz zweier Decken und Tonnen von Schafsfellen war nicht nur ich
"gefroren", sondern auch die Frühstückskekse. Sie waren halbwegs essbar, nachdem
man sie für 10 Minuten in dem heißen Tee aufgetaut hatte. Nach dem Frühstück
zogen die Männer los, um den Jeep zu holen. Sie fuhren mit dem Jeep des Rangers, um unseren
Jeep herauszuziehen. Um 15 Uhr kamen sie zurück und sagten, dass das Benzin zu Ende ist. Nun
musste jemand mit dem Pferd nach Dalanzadgad ( 65 km ) reiten, um einen Kanister Benzin zu besorgen.
Wir mussten noch eine Nacht in der Ger des Parkwächters verbringen. Der Junge kam am nächsten
Morgen zurück, und um 15 Uhr waren beide Jeeps bei der Ger, und der Fahrer bestand darauf
zurückzufahren. Nach einigem hin und her fuhren wir in die Stadt. Dort angekommen, erklärte mir
die Frau, die den Jeep organisiert hatte, dass es wegen dem Schnee unmöglich sei, den Trip fortzuführen
und ich wohl einige Tage warten müsste. Also zog ich wieder ins Hotel. Nach drei Tagen keine Besserung.
Mal'ne Stunde blauer Himmel und dann wieder Schneesturm. Am fünften Tag kam sie und gab mir mein Geld
wieder und sagte, dass es wohl besser wäre, nach Ulaan Baatar zurückzukehren. Morgen würde ein
privater Bus fahren und sie würde mir einen Platz besorgen. Also ging ich am nächsten Tag um 6 Uhr
und -40° Grad zur Bushaltestelle. Um 8 Uhr kam der Bus und danach fuhren wir in der Stadt herum, um Leute
und Gepäck einzuladen. Nachmittags um 15 Uhr fuhren wir los. Ich war so freundlich, älteren Leuten
und einer Frau mit Kind die Sitzplätze zu überlassen und endete mit zwei anderen Mitfahrern auf
dem gefrorenen Fleisch. Es war die schrecklichste Busfahrt in meinem Leben! 18 Stunden auf gefrorenem Fleisch
und das bei -40° Grad und keinerlei Heizung. An der Stadtgrenze von Ulaan Baatar gerieten wir in eine
Polizeikontrolle und es waren zwei Polizisten und der Fahrer nötig, die innen und außen vereiste
Fahrertüre aufzubekommen. An Fenster öffnen war nicht zu denken. Der Fahrer sah durch ein kleines
Loch in der Windschutzscheibe, das durch eine brennende Kerze vom Eis freigehalten wurde. In Ulaan Baatar
angekommen, fuhr er mich netterweise bis vor die Haustür. Ich hatte mich noch nie so gefreut, einen Ofen
zu sehen. Nach etlichen Tassen heißem Tee und 1 Stunde vor dem Ofen war mir nach Tagen endlich wieder warm.
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